
Die Geschichte von Lolliolli
Wie eine verrückte Idee zur bunten Mission wurde
Jede große Geschichte beginnt entweder in einer Garage oder nach einem feuchtfröhlichen Abend. Die von LolliOlli? Sie vereint beides!
Es war ein lauer Abend auf einem Stadtfest, gute Freunde, ein paar Gläser zu viel – und jede Menge Erinnerungen an die unbeschwerte Kindheit. Auf dem Heimweg blieben wir vor einem verlassenen Kaugummiautomaten stehen. „Schade, dass es die nicht mehr gibt“, sagten wir und lachten. Doch was als nostalgischer Moment begann, ließ mich nicht mehr los.
Die Gedanken kreisten um diese Automaten, um das magische Gefühl, eine Münze einzuwerfen und nie genau zu wissen, was man bekommt. Als Kind mit dem Fahrrad loszufahren, um einen der besten Kaugummis zu ergattern – das war pure Freude! Doch eine Idee bleibt oft nur eine Idee. Bis das Schicksal eingreift.
Ein paar Tage später, während einer Pause in meinem Bootsführerschein-Kurs, erzählte ich meinem Segellehrer beiläufig von unserer Stadtfest-Erkenntnis. Er lachte und meinte: „Ich hab noch ein paar von diesen Automaten in meiner Halle stehen.“ Mein Herz machte einen Sprung. Sekunden später hörte ich mich selbst sagen: „Verkauf sie mir!“ Und so begann das Abenteuer.

Doch alte Kaugummiautomaten sind wie Zeitmaschinen – sie funktionieren nicht einfach so. Die Münzaggregate waren noch auf D-Mark und Pfennige eingestellt, also musste ich sie auf Euro-Cent umrüsten. Ich recherchierte, woher man Füllware bekommt, kämpfte mit Bürokratie und suchte Stellplätze. Wochenenden und Abende verflogen zwischen Schraubenziehern, Lackdosen und zahllosen Testrunden. Ohne die Hilfe meiner Familie und Freunde wäre das alles kaum möglich gewesen.
Der große Moment kam, als ich meinen ersten Automaten an der Wand eines Restaurants eines Freundes aufhing. Nervosität, Stolz, Freudentränen – als das erste Kind eine Münze einwarf, wusste ich: Das hier ist etwas Besonderes.
Die Medien bekamen schnell Wind davon, und plötzlich war LolliOlli nicht nur eine kleine Idee, sondern eine Geschichte, die um die Welt ging. Fernsehteams aus Neuseeland, Japan und Singapur meldeten sich. Ich wollte eigentlich nur ein paar Automaten wieder ins Stadtbild bringen – doch nun stand ich im Rampenlicht. Ein Wissenschaftler, der sich mit dem Kult um Kaugummiautomaten beschäftigte, schrieb sogar ein Fachbuch darüber. Und ein ganzes Kapitel war LolliOlli gewidmet.
Doch nicht jede Geschichte verläuft reibungslos. 2020 kam Covid – und alles stand still. Aus Angst vor Ansteckung wurden die Automaten nicht mehr genutzt. Und als wäre das nicht genug, brachte das Jahr 2021 die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal, bei der ich fast 80 % meiner Automaten verlor. Es fühlte sich an, als wäre all die Mühe umsonst gewesen.
Doch aufgeben? Niemals. Denn in meinem Kopf war immer dieses eine Bild: Ich als Kind, mit leuchtenden Augen vor einem Kaugummiautomaten. Und genau das wollte ich wiederbeleben. Menschen kamen auf mich zu und sagten: „Olli, mach das weiter! Das ist einfach cool!“ Selbst in Zeiten von Smartphones und künstlicher Intelligenz bringt ein Kaugummiautomat Jung und Alt ins Gespräch. Und genau das motiviert mich.
Heute restauriere ich in meiner Freizeit weiter Automaten, auch wenn Münzgeld immer seltener wird. Freunde helfen mir, das Kleingeld umzutauschen, Banken hingegen verlangen absurde Gebühren. Ich mache mir Gedanken über eine Zukunft ohne Bargeld – aber das ist ein Problem für später.
Worauf ich am meisten stolz bin? Dass die Begeisterung innerhalb der Familie wächst. Vielleicht entsteht schon bald der erste LolliOlli-Automat einer neuen Generation, in einer anderen Stadt, mit einem neuen Logo – aber derselben Mission.
Und mein größter Wunsch? Dass LolliOlli mich überlebt. Dass ich im hohen Alter noch an Automaten schrauben kann und sehe, wie Menschen weiterhin Spaß daran haben, den Griff zu drehen und sich überraschen zu lassen.
Denn große Träume beginnen manchmal mit einer einzigen kleinen Münze.